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Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF): Resümee der Infoveranstaltung „Zukunftstrends in der Arbeitswelt“


„Wir haben schon jetzt die Antworten auf die Fragen der Zukunft. Bloß kennen wir die Fragen noch nicht!“ Mit dieser These brachte Univ. Prof. Dr. Markus Hengstschläger von der Universität Wien das Publikum ins Grübeln. Dann eine plausible Erklärung des international anerkannten Genetikers und Zukunftsforschers: „Wir können unmöglich vorhersehen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten in 20 Jahren am Arbeitsmarkt gefragt sein werden. Es ist sinnlos, die Erfahrungen der letzten 20 Jahre einfach in die Zukunft zu projizieren. Das Weltwissen verdoppelt sich mittlerweile täglich, die Veränderung der Arbeitswelt passiert exponentiell. Vorhersagen sind unmöglich“. Was also tun? „Wir müssen schon heute möglichst viele verschiedene Fähigkeiten, Interessen, Talente und Stärken der jungen Generation fördern. Dann sind wir so breit mit Antworten aufgestellt, dass wir alle möglichen zukünftigen Fragen beantworten werden können“, so Hengstschläger.

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Solidarität bald noch unverzichtbarer

Zeichnet Hengstschläger damit das Bild einer zerteilten Welt der Individualisierten und Einzelkämpfer? Keinesfalls, im Gegenteil: Metaphorisch gesehen, stellt uns die Zukunft vor eine Reihe noch unbekannter Türen (Probleme), die wir als Gesellschaft öffnen (lösen) müssen. Je mehr unterschiedliche Schlüssel (Fähigkeiten) wir mithaben, desto eher kommen wir als Gemeinschaft weiter – Tür um Tür. Wann aber welcher Schlüssel wo sperren wird, kann niemand vorhersehen. Daher sollten wir alle als Schlüsselbund (Solidargemeinschaft) zusammenbleiben. Es müssen also immer auch diejenigen in der Gesellschaft integriert werden, die gerade keine Schlüssel-Funktion haben. Denn schon bald könnten sie es sein, die unvorhersehbare Türen für die anderen aufbringen.

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Flexibilität braucht soziale Sicherheit

Ein bemerkenswerter Konnex zwischen „Flexibilität“ und sozialer Sicherheit gelang der deutschen Wissenschaftlerin Univ. Prof. Dr. Jutta Rump – international anerkannte Expertin für Personalmanagement und Organisationsentwicklung. „Das Spannungsfeld der zukünftigen Arbeitswelt verläuft zwischen Flexibilität und sozialer Sicherheit. Man verlangt einerseits von der jüngeren Generation in erhöhtem Maße Flexibilität, Innovationsfähigkeit und Kreativität. Doch nur wer keine Existenzangst hat, kann kreativ sein und sich auf neue Gegebenheiten anpassen“, erklärte Rump. Vor diesem Hintergrund erwachsen auch den sozialen Sicherungssystemen neue Aufgaben.

„Derzeit befinde sich die Gesellschaft mitten in einem Wandel“, erklärte angesehene Wiener Freizeit- und Tourismusforscher Prof. Peter Zellmann. „Wenn wir diesen Wandel nicht verstehen, werden wir nur die Symptome bekämpfen können“, so Zellmann. Ein zentraler Denkfehler liege laut Zellmann im vielstrapazierten Begriff „Work-Life-Balance“. Der Grund: „Die Arbeit ist Teil – und nicht Gegenteil – unseres Lebens. Unser heutiges Systemverständnis beruht auf der starren Trennung von Beruf und Freizeit aus dem Industriezeitalter. Das lassen wir aber allmählich hinter uns“.

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Erfolgreicher Informationstag

Neben den hochkarätigen Referenten und der Location (voestalpine Stahlwelt) wurde vor allem auch die Organisation der Großveranstaltung von allen Seiten gelobt. Veranstalter war die OÖ Gebietskrankenkasse mit Unterstützung durch den Fonds Gesundes Österreich (FGÖ), den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB) sowie der voest-Alpine.
Dabei war die Tagung keinesfalls „oberösterreichisch“. So reisten Interessent/innen aus ganz Österreich an diesem Tag nach Linz. Dr. Klaus Ropin (FGÖ) und Mag. Stefan Spitzbart (HVB), hoben gleichermaßen die Dimension (über 300 Gäste) wie auch die inhaltliche Qualität der Veranstaltung hervor. 2013 wird die 18. Informationstagung der BGF in Salzburg stattfinden.

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015